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| NWZ Göppingen 23/12/2002, by Markus Schurr |
| Er ist eine lebende Legende der Wave- und
Punk-Musik: Phil Shoenfelt und seine Band "Southern Cross" entführten die
Odeon-Besucher im Alten E-Werk in eine Welt der Melancholie. Phil Shoenfelt ist wohl kein begnadeter Gitarrist, doch dafür besitzt
er eine andere Qualität, die viel höher einzuschätzen ist: Er ist ein begnadeter
Liedschreiber, dessen Songs ihresgleichen suchen. Zudem ist er ein origineller Poet. Seine
wohlfeil formulierten Texte strotzen vor Symbolismen, biblischen Bezügen, ohne überladen
zu wirken, sie berichten von gescheiterten Existenzen, heimatlosen Menschen und Junkies,
oder er vertont elisabethanische Dichter wie Andrew Marvell. Paradebeispiele solcher
melancholischen Sangeskunst sind Lieder wie "Darkest Hour", "Wasted"
oder "Veronikas Veil", wo die Vergänglichkeit der Welt und des Menschen
thematisiert wird., Dass Shöenfelt auch anders kann, zeigte er im E-Werk etwa mit alten
Punk-Nummern aus den 80ern. Größtenteils bestand das Repertoire jedoch aus Stücken der
letzten beiden Alben "Dead Flowers for Alice" und "Ecstatic". Shoenfelts
Schwermut wirkt nie wie aufgesetzter Herzschmerz. Voller Inbrunst lebt er seine Kunst,
lässt mit einem Seitenhieb seinem Unwillen gegen die Aggression in der Welt freien Lauf
und fasst sein Credo in wenige Worte zusammen: "The universe is ruled by love." |