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NWZ Göppingen 23/12/2002, by Markus Schurr
Er ist eine lebende Legende der Wave- und Punk-Musik: Phil Shoenfelt und seine Band "Southern Cross" entführten die Odeon-Besucher im Alten E-Werk in eine Welt der Melancholie.

Phil Shoenfelt ist wohl kein begnadeter Gitarrist, doch dafür besitzt er eine andere Qualität, die viel höher einzuschätzen ist: Er ist ein begnadeter Liedschreiber, dessen Songs ihresgleichen suchen. Zudem ist er ein origineller Poet. Seine wohlfeil formulierten Texte strotzen vor Symbolismen, biblischen Bezügen, ohne überladen zu wirken, sie berichten von gescheiterten Existenzen, heimatlosen Menschen und Junkies, oder er vertont elisabethanische Dichter wie Andrew Marvell. Paradebeispiele solcher melancholischen Sangeskunst sind Lieder wie "Darkest Hour", "Wasted" oder "Veronikas Veil", wo die Vergänglichkeit der Welt und des Menschen thematisiert wird., Dass Shöenfelt auch anders kann, zeigte er im E-Werk etwa mit alten Punk-Nummern aus den 80ern. Größtenteils bestand das Repertoire jedoch aus Stücken der letzten beiden Alben "Dead Flowers for Alice" und "Ecstatic". Shoenfelts Schwermut wirkt nie wie aufgesetzter Herzschmerz. Voller Inbrunst lebt er seine Kunst, lässt mit einem Seitenhieb seinem Unwillen gegen die Aggression in der Welt freien Lauf und fasst sein Credo in wenige Worte zusammen: "The universe is ruled by love."
1976 erlebte der Brite die "Punk Explosion" in Großbritannien, von 1979 bis Mitte der 80er machte er Musik in New York. Seit 1995 lebt er in Prag, wo er 1997 mit Pavel Cingl (Violine, Gitarre), Pavel Krtous (Bass) und Jarda Kvasnicka (Schlagzeug) die passende Begleitband "Southern Cross" fand. Man merkt, dass dieses Trio seit sechs Jahren zusammen ist: Die perfekt aufeinander eingespielte Gruppe war ein Genuss. Einziger Minuspunkt war der zu laute und undifferenzierte Live-Sound sowie das wenig präsente Schlagzeug, wodurch manche Feinheiten der Stücke untergingen."

 


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